Montag, 15. August 2016

Vanishing War

Zurück aus den Vogesen sortiere ich meine neuen Blaubeerbilderbilder vom Lingekopf, aus Bonhomme und Glasborn-Linge - den Orten meiner diesjährigen Exkursion in die Konfiktlandschaften aus dem ersten Weltkrieg in den Vogesen.

Dort wo Granaten einschlugen und Menschen zu tausenden ihr Leben ließen, grasen hier heute Kühe und ich finde reife sowie stark eisenhaltige Blaubeeren vor. Wanderwege durchkreuzen die Routen alter ausgehobener Schützengräben und ich genieße die Schönheit dir überwachsenen Felder mit Blick auf das Münstertal.


Die lang verlassenen Schlachtfelder sind von den überwucherten Gräben und künstlichen Demarkationslinien durchzogen. Trichterrunde Bombenkrater werden zu von Brombeeren oder Ginster gefüllten Landmarken in einem Gelände, dessen eigentümliche Schönheit mich immer wieder anzieht.

Von oben gleichen die Felder kurz vor den Abhängen der Hautes-Voges einem schlecht geplätteten Kuchenteig mit unzähligen weichen Dellen, Erdanhäufungen, Steinversammlungen oder Schwellen, die von Farnen und Gräseren überkrautet sind. Ihre Untiefen sind mit der Zeit fast unsichtbar geworden und werden einem immer dann jäh bewußt, wenn man in sie hinein stolpert.

Unwissende wandern ahnungslos durch diese Landschaft hindurch, ohne die Spuren des Schlachtens zu dechiffrieren und die kilometerlangen Furchen als grabestiefe Totenmale eines nicht enden wollenden Schützengrabens zu erkennen, der in deutscher, belgischer, französischer oder englischer Variante von der Schweiz hoch bis an die Nordseeküste von professionellen Männerhänden angelegt wurde.


In Rahmen meines Projekt Vanishing War, welches über die fünf Kriegsjahre hundert Jahre nach dem ersten Weltkrieg die Kriegs- und Schlachtorte mittels Blaubeermalerei zu beschreiben versucht, besuchte ich erstmals einen museal aufbereiteten Geschichtsort, um auch dort mit den dort wachsenden Blaubeeren tätig zu werden. Wenn in der freien Landschaft auf 1000 Meter Höhe die Bunker und Gräben von der Zeit und von Pflanzen allmählich verwittern und verwachsen, so kämpft ein Geschichtsort wie das Memorial du Linge mit dem wörtlichen, materiellen und ideellen Vergessen.


Erinnern heißt hier die Gräben wieder freilegen, von Moos befreien und die Blaubeeren zwischen dem rostigen Stacheldraht so zu beschneiden, dass man den Draht immer sehen wird - ganz egal wie gut oder schlecht die Blaubeeren schmecken.

Hier oben auf dem Lingekopf kamen sich Deutsche und Franzosen so nah, daß man den jeweiligen Feind beim Kochen und Essen zuhören konnte. Die Ausstellung beschreibt die regionale Kriegsgeschichte und erinnert an das Leben und Überleben, Sterben wie Töten von Deutschen wie Französischen Soldaten in den Jahren des Grande Guerre.


Und so wechselte ich bei meinem diejährigen Aufenthalt in Frankreich vier mal die Orte, um neue Perspektiven der Erinnern und Vergessens sichtbar werden zu lassen, die nun in einer losen Abfolge hier eingestellt und beizeiten überarbeitet werden sollen.




Zurück aus den Vogesen, freue ich bereits jetzt schon wieder auf die Rückkehr nach Orbey.


Herzliche Grüße und bis demnächst

Susanne von Bülow

Aktuelle Ausstellungen

Monotypie und Alltag,
Galerie Kunst2, Heidelberg, noch bis zum 24. September 2016

GRUND UND BODEN,
Performative Bodenrichtwertstudie im öffentlichen Raum von Kiel
Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte, Kiel, noch bis zum 4. September 2016

Freitag, 15. Juli 2016

Monotypie und Alltag

Kurz vor dem Aufbruch in den Süden möchte ich Euch und Sie sehr herzlich zu meiner Ausstellung MONOTYPIE UND ALLTAG in die Galerie Kunst2 einladen.

Da die Zeit knapp - und die Koffer ungepackt sind - kann ich bislang nicht mehr zur Show sagen, als dass sie am 22. Juli 2016 um 19 Uhr in der Lutherstraße 37 in 69120 Heidelberg beginnt ...und dass ich noch Bilder im Atelier stehen habe, von denen ich nicht weiß, ob sie noch fertig werden.


Ich freue mich über Euren und Ihren Besuch

Susanne von Bülow

...hier geht es zur Einladung auf Facebook.





Montag, 11. April 2016

u.a. Europa

"Europa" - Allegorie, Collagraphie 90 x 150 cm, Susanne von Bülow 2016
Aktuell bereite ich zwischen den Grauwerten geopolitischer Allegorien und blaustem Himmel über der Stadt neue Bilder für die Ausstellung "u.a. Europa" in der Stadthausgalerie vor.

Bis zur Eröffnung ist noch ein wenig Zeit, aber die rennt .-)

Am Dienstag, den 26. April 2016 werde ich spätestens um 18 Uhr fertig sein.
Und dann sind Sie alle sehr herzlich eingeladen in die Stadthausgalerie Münster, Platz des Westfälischen Friedens (Rathausinnenhof) zu kommen.

Nach einer Begrüßung durch Gail Kirkpatrick wird Dr. Andrea Brockmann einführende Worte zu der Ausstellung sprechen und ich bin froh, wenn es endlich soweit ist.

Vorab ein paar Eindrücke aus meinem Atelier und einen Link zum Veranstalter..

Ich freue mich sehr auf Ihr und Euer Kommen.

Herzlich Susanne von Bülow

Sonntag, 1. November 2015

Heimspiel

Ich freue mich sehr Sie und Euch am 5. November 2015 zur Ausstellung documentateilnahme um 19 Uhr in die Schulstraße 43 einzuladen.

Meine Gäste sind dieses Jahr Benjamin Nachtwey aus Düsseldorf und Emmy Bergsma aus Zwolle.

Druckfrisch kommt zur Ausstellung mein neuster Katalog heraus. Er zeigt neue Bilder, die Anfang des Jahres im Kloster Bentlage mit Emmys Arbeiten gezeigt wurden.

DIALOG 1 - gibt´s am Sonntag, den 8. November 2015 ab 15 Uhr signiert für 10 Euro.

Freue mich über Euer Kommen - bis dahin

Eure Susanne von Bülow

Montag, 24. August 2015

Kuchen essen und alles vergessen

Einen leichtfertigen Umgang mit der ganz großen Geschichte üben wir aktuell in Wien zu unserem Stipendium im Museumsquartier

Das Besserabien von 1920 wird hier in Form gebracht.
...und Österreich-Ungarn fachgerecht ausgestochen.
Leckerer Bisquittboden und entlang von genagelten Prä- und Postkriegsgrenzen von 1914/1918 geformte Metallförmchen
Das Jugoslawien von 1920 ein leckerer Biskuit, der hier mit Espresso eingestrichen wird.
ergeben mit einer zarten Schicht Mascapone und Kaffee genau die schönen Länder Petit Fours, die Geschichte erst verdaulich machen. 

Übersicht über die historischen Länderkuchen, die zur freien Einverleibung am 23. August 2015 aufgegessen wurden.
Geostrategie von Gestern wird zum zuckersüßen Leckerbissen Heute. 

Unsere rumänisches Mitstipendiaten bestanden auf der Eigenständigkeit Moldaviens und essen hier im Bild ihr eigenes Land auf.


Ob die Krim oder die ganze Ukraine, den Russen, den Amerikanern, uns oder gar der eigenen Bevölkerung heute auch so schmecken würde bleibt noch auszutesten.

Susanne von Bülow
für Kuchen essen alles vergessen

Das nächste Kuchen essen alles vergessen findet in Münster zum Schauraum 2015 statt - in einem LKW auf dem Prinzipalmarkt, am 5. September 2015 ab 16 Uhr.

Dienstag, 9. Juni 2015

angezogen und unangezogen

 Duschende, Ausschnitt, Susanne von Bülow 2015

Nachdem ich im Kloster Bentlage meine Installation Ich habe überhaupt nichts anzuziehen  realisiert habe, begann ich parallel mit zwei denkbar unterschiedlichen Projekten - der  Duschenden und den beiden Verschleierten mit weisser Tragetasche.
Seit gestern hängen sie ( fertig oder noch unfertig ?) im Atelier.


Verschleierte mit weisser Tragetasche, Mixed Media Print, Susanne von Bülow 2015

Verschleierte, Susanne von Bülow 2015
...und ich frage mich, wie es weitergeht.

Morgen, am 10. Juni 2015 stelle ich mit Ruppe Koselleck von 14-16 Uhr GRUND UND BODEN an der Universität Münster im Rahmen von LAST EXIT KUNST vor.

Verschleierte, Susanne von Bülow 2015
Wer gerade in der Nähe von Münster weilt, ist sehr dazu herzlich eingeladen.
Ort: Scharnhorststr. 100, SCH 100.3

Mit und ohne Schleier....
Demnächst mehr...

Dienstag, 10. Februar 2015

Ich habe überhaupt nichts anzuziehen



Die Installation "Ich habe überhaupt nichts anzuziehen" besteht aus vier Stahlplatten, Magneten, Pappen und 230 x 90 cm großen Drucken auf Büttenpapier. Sie ist noch bis zum 8. März im Kloster Bentlage zu sehen. Das kleine Video zeigt einen kleinen Ausschnitt davon.
Dort zeige ich im Rahmen von DIALOG 1 - gemeinsam mit Emmy Bergsma neue Arbeiten.

Am Freitag, den 13. Februar geht es nach Deventer zum Planierwalzendrucken.
Ab 19 Uhr drucken wir zur Eröffnung der Ausstellung BLAUW-DRUCK an der Bergkerk...

Bis dahin
Herzliche Grüße von Susanne von Bülow, unterwegs.....